1. Wissenschaftliches Forum 2018

 

Dr. Hanns Hubach: Olivetum Spirense – Gedanken zum Speyerer Ölberg (1509-1511) 05.04.2018, 19.00 Uhr Voba Speyer

 

Wer sich heute den südlich des Domes notdürftig unter Dach gebrachten Überresten des sogenannten „Speyerer Ölbergs“ nähert, wird kaum mehr vermuten, dass das in den Jahren 1509-1511 als Memorialstiftung des Domherrn Wyprecht von Finsterlohe errichtete Bauwerk von den Zeitgenossen einhellig als ein Kunstwerk gepriesen wurde, wie im gesamten Deutschen Reich – und darüber hinaus – kein zweites von gleicher Qualität zu finden sei.

Der Ölberg war ein im Domkreuzgang als frei stehender Zentralbau errichtetes, etwa 15 Meter hohes Gebäude, in dessen Zentrum, verteilt über eine künstliche Felslandschaft, eine monumentale, vielfigurige Skulpturengruppe der Gefangennahme Christi aufgestellt war. Zur weiteren Ausstattung gehörten ein transparentes Luftrippengewölbe, das den Blick in den Dachraum und einen dort angebrachten Glasbilderzyklus freigab. Die Ausführung war dem Heilbronner Bildhauer Hans Seyfer übertragen worden, der aber im Frühjahr 1509 unerwartet verstarb. Da sich sein Bruder und Mitarbeiter Lenhart außer Stande sah, den Bau in eigener Verantwortung zu errichten, übernahm der bedeutende kurpfälzische Hofbaumeister Lorenz Lechler zusammen mit dem Glasmaler Hans Kamberger die Gesamtleitung. Unter Hinzuziehung Lenharts, dem die Aufstellung der Skulpturen seines Bruders und die neu anfallenden Bildhauerarbeiten anvertraut waren, sowie des Domwerkmeisters Heinrich Heynfurt, brachten sie das Projekt in den nächsten zwei Jahren erfolgreich zu Ende. Als Ergebnis der Zusammenarbeit dieser heute nur noch Fachleuten bekannten Künstlerpersönlichkeiten entstand eine der spektakulärsten Zierarchitekturen im Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance – die heute fast völlig in Vergessenheit geraten ist.

Auf der Grundlage der erhaltenen Partien und Figurenfragmente sowie der vor seiner Zerstörung entstandenen detaillierten Ansichten des Ölbergs verfolgt der Vortrag das Ziel, ein möglichst authentisches Bild von den ursprünglichen künstlerischen Qualitäten des Bauwerks und seines Skulpturenschmucks zurück zu gewinnen. Seine Sonderstellung innerhalb der deutschen Architektur- und Kunstgeschichte wird dabei unmittelbar evident. Die Aufarbeitung der literarischen Rezeptionsgeschichte, insbesondere der Urteile über die „atemberaubende“ Kunstfertigkeit der Bildhauer, ermöglicht zudem ein tieferes Verständnis der ursprünglich von dem Bauwerk und seiner künstlerischen bzw. liturgischen Inszenierung ausgehenden „performativ-theatralischen“ Reize, die bei Besuchern regelmäßig sehr persönliche, oft emotionale Reaktionen ausgelöst haben. Die reichste Quelle für den konkreten Gebrauch der Anlage ist Johann Armbrusters 1593 in der Tradition der klassischen Ekphrasis verfasstes Gedicht „Olivetum Spirense“. Die Ausführlichkeit, Genauigkeit und Detailfreude, mit denen der am Speyerer Jesuitenkolleg Poetik und Rhetorik lehrende Autor das Bauwerk samt seinen Skulpturen und sonstigem Schmuck darin geschildert und interpretiert hat, ist einzigartig.

Dr. Hanns Hubach

Speyer, Ölberg, Federzeichnung 17. Jh.
© Dombauverein Speyer
Speyer, Ölberg, Draufsicht von der Zwerggalerie
© Dombauverein Speyer
Speyer, Ölberg
© Dombauverein Speyer
Speyer, Ölberg, Detail

1. Wissenschaftliches Forum 2017

Straßburg, Münster

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Das Straßburger Münster - der ottonische Vorgängerbau, die romanischen Ostteile und die Beziehungen zum Speyerer und Wormser Dom.

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Der Kaiserdom zu Speyer - UNESCO Weltkulturerbe

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