Tag der Mitglieder 2018

© Dombauverein Speyer

Dombauverein auf den Spuren von Hildegard von Bingen  

2018 unternahm der Dombauverein seinen Jahresausflug am 23. Juni in den Rheingau auf den Spuren von Hildegard von Bingen. Nach Auffassung des Vorstandsmitglieds Hans-Joachim Ritter, der die Reise organisiert und die Leitung übernommen hatte, war Hildegard von Bingen eine außergewöhnliche Frau, eine frühe Ökologin, eine gefragte Ratgeberin, die aber auch Kaiser und Bischöfe wegen ihres Machthungers ermahnte, eine Frau mit seherischen Fähigkeiten, die die umfassendste Korrespondenz des Mittelalters pflegte und die Klöster auf dem Rupertsberg oberhalb von Bingen und Eibingen gründete.

Erstes Ziel der Exkursion war die Wallfahrts- und Pfarrkirche Eibingen, dem ehem. Kloster Eibingen, wo sich der Schrein der hl. Hildegard befindet, die im Jahre 2012 sowohl heilig gesprochen als auch zur Kirchenlehrerin erhoben wurde. Von dort ging es weiter zur Benediktinerinnenabtei St. Hildegard oberhalb von Eibingen. Hier begrüßte zunächst der Vorsitzende des Dombauvereins, Prof. Dr. Gottfried Jung, die Teilnehmenden und ganz besonders das am weitesten angereiste Mitglied aus Zell am See in Österreich.

Schwester Philippa Rath OSB hielt einen Vortrag über die wichtigsten Stationen des Lebens  der Heiligen, wobei sie auch ausführlich schilderte, wie es zur Heiligspre-chung und Erhebung zur Kirchenlehrerin kam. Sie hob hervor, dass man die vielschichtigen Begabungen und Aktivitäten von Hildegard nicht isoliert, sondern ganzheitlich auf Gott, dem „Licht, das ich schaue“ (so Hildegard von Bingen), sehen müsse. Ob Hildegard den Speyerer Dom besucht habe, sei nicht überliefert. Aber ein Schriftwechsel mit dem damaligen Speyerer Bischof Günther sei erhalten. Daraus zitierte die Referentin einige Passagen, in dem Hildegard den Bischof ermahnte, seinen Lebensstil zu überdenken. Nach der Gelegenheit zum Besuch des Kloster-ladens und des Klostercafés gab Schw. Philippa Rath OSB einige Erläuterung über die im neuromanischen Stil der in den Jahren 1900 – 1904 errichteten Klosterkirche mit den im Beuroner Kunststil angebrachten Gemälden. Auch an dem anschließen-den Mittagsgebet mit gregorianischen Gesängen nahmen die Reiseteilnehmer teil bevor die Fahrt mit Bus und Fähre über den Rhein zum Hildegard-Forum auf dem Rochusberg oberhalb von Bingen weiterging, wo ein hildegardisches Buffet geboten wurde.

Letzte Station der Exkursion war schließlich die Klosterruine auf dem Disibodenberg, wo Hildegard bis zur Übersiedlung in das von ihr erbaute neue Kloster auf dem Rupertsberg an der Nahemündung in den Rhein im heutigen Bingerbrück bis zum Jahre 1152 40 Jahre ihres Lebens gewirkt und wichtige Schriften, wie die „Scivias“ („Wisse die Wege“) verfasst hat. Leider findet man dort nur noch Ruinen der ursprünglichen Gebäude vor. Dennoch sind diese noch sehr beeindruckend. Die  ursprünglich 3 Hektar umfassende Klosteranlage mit einer dreischiffigen, 50 Meter langen Kirche, einem mächtigen Abteigebäude mit Weinkeller und erstaunlich großem Hospital beeindruckte die Exkursionsteilnehmer. Die Reiseteilnehmer/innen wurden in zwei Gruppen über den Disibodenberg geführt. Dabei wurden auch die damaligen Frauenklausen, in denen Hildegard mit anderen Schwestern viele Jahre lebte,  ausführlich erläutert. Am Fuß des Disibodenberges befindet sich ein Museum mit einem Modell des ehemaligen Klosters und zahlreichen, zum Teil sehr alten Funden aus dem Klosterbereich.

Auf der Rückreise im Bus dankte die stellvertretende Vorsitzende des Dombauvereins, Frau Dr. Barbara Schmidt-Nechl, den Mitgliedern für ihr Interesse und Herrn Ritter für die beeindruckende Reise. 

Fotos zum Tag der Mitglieder 2018 nach Bingen

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Tag der Mitglieder 2017

Bei bestem Wetter fuhr der Dombauverein am 10.06.2017 zum Tag der Mitglieder mit zwei voll besetzten Bussen nach Straßburg. In diesem Jahr konnten wir passend zum Vortrag von Frau Dr. Bengel am 11. Mai in der VoBa Speyer über ‚Das Straßburger Münster - der ottonische Vorgängerbau, die romanischen Ostteile und die Beziehungen zum Speyerer und Wormser Dom’ eine Exkursion nach Straßburg anbieten, um die Schnittpunkte zwischen dem Straßburger Münster, dem Speyerer und Wormser Dom vor Ort zu betrachten. 

Begonnen haben wir unsere Exkursion mit einem Rundgang um das Münster mit besonderem Augenmerk auf die gotische Hauptfassade mit dem berühmten, der Fassade vorgelagerten Harfenmaß­werk. Mit einer Sondergenehmigung konnten wir mit Zugang über das Priesterseminar auch die romanische Ostseite des Münsters mit starken Bezügen zur Ostseite des Wormser Doms bewundern. 

Dank der guten Verbindungen unserer Referentin und Münsterführerin, durften wir (obwohl das Münster aufgrund der zur Zeit in Frankreich bestehenden Terror­­warnstufe für Gruppenbesichtigungen geschlossen ist) den romanischen Chor mit den angrenzenden Kapellen und die Krypta auch von Innen besichtigen. Besonders in der Krypta wird durch die steinsichtigen, aus rotem und gelben Sandstein gebildeten Gurtbögen, den weiß verputzten Kreuzgradgewölben und den einfachen Würfelkapitellen die Nähe zum Speyerer Dom deutlich.  

Im Querhaus, dem Bindeglied zwischen romanischen Chor und gotischem Langhaus, ist das Nebeneinander von gotischen und romanischen Formen frappierend und zeigt den Übergang von der Spätromanik zur Frühgotik. Im Nordquerhaus konnten wir einen mehrfach gestuften romanischen Altar­baldachin betrachten, in den später ein gotisches Fenster eingefügt wurde. Dieser Altarbaldachin ist eine Weiterentwicklung der Altarbaldachine im Querhaus des Speyerer Domes. Während das Kreuzrippengewölbe im Nordquerhaus noch von einem massiven Rundpfeiler getragen wird, konnten wir im Südquerhaus einen Blick auf den berühmten Engelspfeiler werfen, eine einmalige Entwicklung in der romanischen Bauskulptur! Ein wiederum gestuftes romanisches Portal verschaffte uns Eintritt in die Chorgalerie zu dem 2015 zur 1000 Jahrfeier des Straßburger Münster erstellen Modells des Wernerbaues, des Vorgängerbauers des heutigen Münsters. Die Verwandtschaft zum Speyerer Dom ist offensichtlich.

Beeindruckend waren im nördlichen Seitenschiff auch die sogenannten Kaiserfenster aus dem 12./13. Jahrhundert mit Darstellungen der karolingischen, ottonischen, salischen und staufischen Herrscher.

Schwalbennestorgel und Astronomische Uhr wären eine eigene Exkursion wert.

Während der Mittagspause konnten wir uns in dem Gewölbekeller des Gurtlerhoft am Münsterplatz 13 bei einem elsässischen Menü erholen.

Am Nachmittag konnten wir auf der Südseite des Münsters im Musée de l’Œuvre Notre-Dame weitere Glasfenster wie den thronenden Kaiser vom Ende des 12. Jahrhunderts, der lange für eine Darstellung von Karl dem Großen gehalten wurde und die Originale bedeutender Münsterskulpturen wie beispielsweise der Ecclesia und Synagoga bewundern. Nach der christlichen Ikonographie des Mittelalters symbolisieren die beiden weiblichen Figuren das Christentum und das Judentum. Beachtenswert ist bei diesen beiden bedeutenden Skulpturen, die ursprünglich zum romanischen Doppelportal am Südquerhaus gehörten, die beginnende Körperlichkeit der Figuren, der feine, zarte Faltenwurf der Gewänder und die fein ausgearbeiteten Gesichter an diesen noch frühgotischen Skulpturen. Den Endpunkt in der Entwicklung der gotischen Skulptur konnten wir an den Figuren vom Laurentiusportal auf der Nordseite des Münsters sehen. Durch die tiefen, wuchtigen, virtuosen, die Gewänder durchziehenden Knitterfalten war die Körperlichkeit am Ende der Gotik wieder aufgehoben. Hinter diesem Faltenspektakel an den Gewändern kann der Körper bei den Skulpturen des Heiligen Laurentius und den Heiligen Drei Königen nur noch erahnt werden.   

Unbestrittener Höhepunkt im Frauenhausmuseum war die Besichtigung der Originalbaupläne des Straßburger Münster in dem ebenfalls zur 1000 Jahrfeier des Straßburger Münsters 2015 extra für diese Pläne erstellten Archivraum.  

Wir konnten die mit Tinte auf Pergament gezeichneten Originalpläne zur Westfassade des Münsters betrachten. Berühmt sind vor allen Dingen der Riss A und der Riss B. Baupläne sind üblicherweise in diesem frühen Zeitraum weder datiert noch signiert. Diese beiden Risse werden aufgrund stilistischer Kriterien in die Zeit von 1220/25 datiert. Der auf Riss B dargestellte Fassadenentwurf wurde zwischen 1260 – 1270 auf Höhe des Erdgeschosses relativ getreu um­gesetzt. Der obere Teil der Zeichnung zeigt einen nicht ausgeführten Turmhelm.

Aus konservatorischen Gründen ist genau festgelegt, wie lange die Zeichnungen dem Licht ausgesetzt sein dürfen, um dann wieder in den klimatisierten Schränken aufbewahrt zu werden.  

Im nächsten Raum rundete eine sehr anschauliche Dokumentation dieser einzigartigen Sammlung mittelalterlicher Baurisse die Präsentation der Bauzeichnungen ab.

Fotos vom Tag der Mitglieder 2017 in Straßburg

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