Domwein Edition 2019 vorgestellt

 

Am 25. April 2019 um 19 Uhr war es wieder so weit: Der Dombauverein Speyer stellte mit Unterstützung der Pfälzischen Weinkönigin Meike Klohr und Weinprinzessin Anna-Lena Müsel die Domweinedition 2019 vor. Begrüßt wurden die Anwesenden im bis auf den letzten Platz besetzten Historischen Ratssaal der Stadt Speyer vom Vorstandsvorsitzenden des Vereins Prof. Dr. Gottfried Jung. Ein Grußwort der Stadt Speyer kam von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, die damit das Engagement des Vereins für den Erhalt der romanischen Kathedrale würdigte. Werner Schineller, Oberbürgermeister d.D. hielt einen lustigen und sehr unterhaltsamen Kurzvortrag über Launiges rund um den Wein. Sie finden die Rede am Schluss dieses Textes.

Aufgrund einer Ausschreibung und Blindverkostung haben der Winzerverein Deidesheim (2018er Deidesheimer Hofstück Riesling Kabinett - Weißwein trocken; in der Nase tummeln sich feine Aromen von Limonen, die bereits kurz nach dem Öffnen die Frische und Intensität  erahnen lassen.) und das Weingut Werner Anselmann, Edesheim (2017er Spätburgunder Rotwein-trocken, mit einem ausrucksvollen, kräftigen Bukett präsentiert sich sehr fruchtbetont und erinnert an Erdbeeren, Himbeeren und Kirschendie ersten Plätze belegt und sind nun die neuen Weinlieferanten des Dombauvereins. Der Geschäftsführer des Winzervereins Deidesheim, Herr Steven Kärgel sowie Herr Ralf Anselmann vom Weingut Werner Anselmann stellten Ihre Weingüter vor.

Vom bisherigen Weinlieferanten Winzergenossenschaft Herxheim a. Berg überreichte Geschäftsführer Thomas Vogel dem Dombauverein einen Scheck über 10.000 Euro als Erlös für die Domweinedition 2018.

Im Rahmen der Präsentation wurden traditionell diejenigen Vereinsmitglieder geehrt, die dem Dombauverein 10 beziehungsweise 20 Jahre angehören. Musikalisch begleitet wurde das Programm mit Violinenmusik von Susannah König und Eric Janto. Beide sind Schüler der Städtischen Musikschule Speyer unter der Leitung von Bernhard Sperrfechter.

Im Anschluß waren alle Gäste eingeladen, die neuen Weine zu verkosten. Auch der Domsekt des Dombauvereins von der Weinbiet Manufaktur eG Neustadt-Mußbach wurde zur Verkostung angeboten. Dafür, dass die Weinflaschen auch optisch ein Genuss sind, sorgen die vom Speyerer Künstler Johannes Doerr gestalteten Etiketten mit Dom Motiven.

Die beiden Weine werden zum Preis von 7 Euro (Riesling) und 7,50 Euro (Spätburgunder) angeboten. Der Dombauverein erhält aus dem Verkauf jeder Flasche 2 Euro. Dieser Betrag fließt in den Erhalt des Kaiser- und Mariendoms zu Speyer.

Die Domweine sind in folgenden Geschäften zu beziehen:

  • Dom-Info, Südseite, rechts vom Dom in Speyer
  • Geschäftsstelle des Dombauvereins, Edith-Stein-Platz 8, 67346 Speyer
  • Winzerverein Deidesheim eG, Prinz-Rupprecht-Str. 8, 67146 Deidesheim
  • Gebrüder Anselmann GmbH, Staatssraße 58-60, 67483 Edesheim
  • Weinkontor Schwarz, Mühlturmstr. 24, Speyer
  • Palatina Wein & Whisky, Volker Hess, Gilgenstr. 15, Speyer
  • Käse Baader, Gilgenstr. 10, 67346 Speyer
  • Speierling Hofladen, Inh. Thomas Deck, Auestr. 17, 67346 Speyer
  • Edeka Stiegler, Sankt Germanstr. 8, 67346 Speyer
  • E-Center Speyer, Am Rübsamenwühl 4, 67346 Speyer
  • REWE Markt Speyer, Iggelheimerstr. 16, 67346 Speyer
  • Restaurant Ratskeller Speyer, Maximilianstr. 12, 67346 Speyer - nur Ausschank -
  • Annas Landpartie, Maximilianstraße 90, 67346 Speyer
  • Getränkepyramide Zimmermann, Wormser Landstraße 90, 67346 Speyer
  • Getränkehandel Benkert, Ringstr. 47, 67166 Otterstadt
  • Buchhandlung Oelbermann, Wormserstr. 12, 67346 Speyer
  • Weingalerie Deidesheim, Rogate Brandner, Weinstr. 67, 67146 Deidesheim
  • Weinbauamt Neustadt/W., Chemnitzer Str. 3, 67433 Neustadt/W.
  • Restaurant Donna Mia im Kutscherhaus Speyer, Fischmarkt 5 A, 67346 Speyer

 

 

„Launiges rund um den Wein“

Rede von OB a.D. Werner Schineller anlässlich der Präsentation der Domweine 2019

 

Dom und Wein oder Bischof und Wein, passt das zusammen?

In der Pfalz allemal.

Dies beginnt bereits damit, dass wir keinen Weihbischof, sondern einen Woi Bischof haben.

Anlässlich des Jubiläums 200 Jahre Neugründung des Bistums Speyer am 5.Juni 2017 hat Otto Georgens wie folgt gedichtet:

 

„Der Wein hat große Tradition,

man kennt ihn fast so lange schon,

als Menschen hier auf Erden leben,

er scheint darum von Gott gegeben,

weil er verwendet-noch bis heute,

zu braver Menschen Lust und Freude.

 

Drum lässt man-um den Durst zu stillen,

mal ab und zu den Domnapf füllen.

Und auch-dass an den Gottesgaben,

die Menschen ihre Freude haben.

 

Man füllt den Napf-das ist bekannt,

bei Bischofsweihen-bis zum Rand,

auch sonst-aus Gründen-mancherlei,

ein Papstbesuch ist mit dabei,

so auch bei mancherlei Gedenken,

ist‘s Brauch-hier Wein mal aus zu schenken.

 

Und mich-der spöttisch-wie bekannt,

ja auch der „Woi-Bischof“ genannt,

mich treffen so die großen Ehren,

mit euch den Domnapf jetzt zu leeren.“

 

Der Domnapf bildete ursprünglich die Grenze zwischen dem Gebiet der ehemaligen freien Reichsstadt und dem Gebiet des Bischofs. Er stammt in seiner jetzigen Gestalt aus dem Jahr 1490 und trägt das Wappen des Bischofs Ludwig von Helmstädt und des Hochstifts Speyer.

Früher war er ein Hoheitszeichen, d.h. wer es trotz eines Frevels bis dorthin geschafft hatte, durfte nicht mehr richterlich belangt werden.

Wenn ein neuer Bischof in die Stadt einzog, war hier das von der Stadt beanspruchte Geleitrecht zu Ende und bei dieser Gelegenheit musste der Bischof den Napf mit Wein füllen und jeder Bürger hatte das Recht, aus ihm zu trinken.

 

Die in Speyer in der Herdstraße geborene große Pfälzer Mundartdichterin Lina Sommer berichtet in ihren Speyerer Jugenderinnerungen über ein solches Ereignis:

„Beim Friedensfest 1871 spielte die sogenannte „Dummschüssel“-Domschüssel-Domnapf in Speyer eine große Rolle. Schon in früheren Zeiten wurden sie bei besonders festlichen Gelegenheiten bis an den Rand (immerhin 1580 Liter) mit Wein gefüllt, an dem sich die Gäste und Bürger ad libitum gütlich tun konnten.

Ein ganz besonders guter Tropfen soll in ihr beblinkt und gewinkt haben als Lothar von Metternich als Bischof in Speyer einzog und dann im Jahre 1861 beim Domfest.

Besagte „Dummschüssel“, der Steinkoloß, wurde beim Friedensfest 1871 auf den Platz vor dem Dom transportiert, mit Wein gefüllt und nachdem der Festzug vorbei war, wurden auch die Schulkinder hingeführt, um ein Trunk daraus zu tun.

Obwohl er mir heute noch schmeckt, möchte ich doch nicht mehr mithalten, wenigstens nicht unter den damaligen Verhältnissen, denn es ging, in all der glühenden Begeisterung, sonderbar zu.

Jeder Lehrer-seine Klasse um sich versammelt-hatte einen großen Becher in der Hand, aus dem er die Kinder der Reihe nach trinken ließ. War der Becher leer, so füllte er ihn in der „Dummschüssel“ wieder auf, und rutschte er ihm aus, so plantschten x vom Festzug verstaubte Kinderhände in dem Wein herum, um den Ausreißer mit großem Hallo wieder zu fangen. Es waren auch Buben dabei, die hatten sich Gläser oder Kaffeetassen mitgebracht, füllten mit ihren schmutzigen Händen immer wieder nach, und wenn es gar nicht mehr „dorch die Gorgel“ gehen wollte, so schütteten sie den Rest einfach zurück. Doch ich glaube nicht, dass durch den Ehrentrunk irgendjemand Schaden genommen hat.“

 

Schade kann ich nur sagen, dass es heute dank eines aufmerksamen Ordnungsamtes so zivilisiert zugeht, dass eine unmittelbare Entnahme des Weins aus dem Domnapf ausgeschlossen ist.

„In vino veritas-Im Wein ist Wahrheit, aber nur, sofern es in Wahrheit Wein ist“, hat Pfarrer Carl Theodor Schultz, in den 50 und 60er Jahren des vergangen Jahrhunderts durch viele Rundfunk-und Fernsehansprachen bekannt, seine Wein-Epistel für seine Winzer in Kirrweiler 1964 überschrieben.

Unter trinkfesten Weinbrüdern, heute muss natürlich auch Weinschwestern die notwendige Anerkennung gezollt werden, wird immer noch gern ein Ereignis erzählt, das in einem Pfarrhaus an der Weinstraße geschehen sein soll: Der Bischof habe bei seiner Visitation im Keller eine Unmenge leerer Flaschen gesehen und-den Finger vorwurfsvoll erhoben-gesprochen:“Aber, aber, Herr Pfarrer, so viele Weinleichen!“ Worauf dieser treuherzig erwidert habe: „Wollen Exzellenz sich beruhigen-es ist keine einzige ohne geistlichen Beistand gestorben.“

 

Carl Theodor Schultz hat in seiner Wein-Epistel auch der von manchem geäußerten Behauptung widersprochen, auf der Hochzeit zu Kana sei nur darum der Wein ausgegangen, weil so viele „Geistliche“ , das ganze Dutzend Apostel, anwesend waren. Eine solche Behauptung, so Schultz, muss als falscher und schnöder Argwohn abgetan werden, der mit der Bibel gar argen Missbrauch treibt nach dem üblen Rezept:

Leg die Schrift aus frisch und munter, legst du nicht aus, dann leg was unter!

 

Dennoch, meine sehr verehrten Damen und Herren, müssen wir uns bewusst sein, dass Wein und Bibel viel miteinander zu tun haben, denn nahezu ein halbes tausend Anknüpfungen an den Wein und die Winzer lässt sich finden.

Guten Wein als Alkohol zu deklarieren, ist Lästerung, meint Pfarrer Schultz und er hat recht.

Der Pfälzer trinkt überhaupt keinen Alkohol und warum dies so ist, erklärt uns der große Pfälzer Mundartdichter Paul Münch in seinem Gedicht „De Alkohol“

(vgl.Paul Münch, Gesammelte Werke Bd.2, herausgegeben von Franz L.Pelgen, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau 1984)

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich hätte manchmal große Lust in das mittelalterliche Speyer einzutauchen, an den Reibereien zwischen Stadtrat und Domkapitel bzw. Bischof teilzunehmen und so wie einer meiner Vorgänger Adam von Berstein- er amtierte von 1515 an bis 1533- an einem Essen des Grafen Jakob von Bitsch teilzunehmen, das die Chronik der Grafen von Zimmern so wunderbar schildert. Aber ich soll ja nicht über Essensgewohnheiten des 16.Jahrhunderts sprechen, sondern über Trinkgewohnheiten und da findet sich in der Zimmerschen Chronik ein Bericht über den Herbst des Jahres 1539.

„In diesem Jahr kam ein großes Sterben nach Speyer. Da flohen alle Kammergerichtspersonen hinüber nach Wimpfen und blieben dort bis ins andere Jahr, dann kehrten sie nach Speyer zurück.

Es war den guten Herren vom Kammergericht einesteils gar nicht recht, in Wimpfen zu wohnen, denn sie konnten dort keinen guten neuen rheinischen Wein haben, sondern mussten sich mit saurem Neckarwein behelfen.

Darum war zu Wimpfen, wo sie zu Kost gingen, bei Tisch ein Schreien und Fordern nach dem krausen Wein, das heißt nach dem Ehrenwein, der nit sauer wäre.

Doktor Lienhart Hochmüller, Prokurator am Kammergericht, ein wunderschleckerhafter Mann, der gern feiste Schweine, Wildbret und Saumagen und alle guten Käse aß, hatte an dem Neckarwein ein besonders großes Missfallen. Wenn er dann in Wimpfen die Knaben auf der Gasse den neuen Wein ausrufen hörte:“Guten Wein! Süßen Wein! Starken Wein! Kühlen Wein!“, so rief er: „Sauren Wein! Mosthannsenwein! Kuhwarmen Wein! Nixnutzigen Wein!“

Warum die Kammerrichter so ungern die Stadt verließen, wird aus den Aufzeichnungen des französischen Kriegsberichterstatters DuMont später und zwar 1689 deutlich, der folgendes schreibt:

„Eine Besonderheit möchte ich zum noch erwähnen. Es fiel mir auf, welche Menge Wein in Speyer eingelagert war. Ich glaube, man hätte damit eine Stadt wie Paris auf ein Jahr versorgen können. Und nirgendwo sonst habe ich je so schöne Weinkeller gesehen wie in dieser Stadt. Sie waren tief, geräumig und wohlgewölbt, mit großen Pfeilern, die die Last der über ihnen erbauten Häuser trugen.

Wer in solch einen Keller hinabgestiegen war, konnte glauben, er befände sich in einem unterirdischen, dem Gotte Bacchus geweihten Tempel.

 

Die Pfälzer hatten also schon immer Dorscht und in der Pfalz hat man auch ein ungestörtes Verhältnis zu seinem täglichen Schoppen.

Im Übrigen gilt immer noch der Satz: Lieber en Schoppe zu viel getrunke als en Schoppe zu viel bezahlt, in der Abwandlung heißt der Spruch: Lieber zu viel getrunke als zu wenig gesse!

Als ein Pfälzer Winzer beim Landgericht in Landau gefragt wurde, ob sein Nachbar ein Trinker sei, ob man also sagen könne „er trinkt“.

„Ach wissen se, Herr Richter“, antwortete dieser, ohne lang zu überlegen, „bei uns muss äner schun verdammt viel saufe, bis man sagt, er trinkt“.

 

Der Wein und die Pfälzer, das gehört zusammen:

Selbstbewusst, aber auch ein wenig starrköpfig und unbeugsam sind wir, aber auch tolerant, weltoffen, aufgeschlossen und mit wachen Sinnen und feinem Instinkt begabt. Derb dazu, laut, fröhlich und vor allem gastfreundlich. Und, Sie wissen es schon, dorschtig!

Es wäre allerdings übertrieben zu sagen: „Wenn der Pfälzer nicht trinkt-dann isst er.“ Außerdem tut er beides gleichzeitig.

Irgendwie bekomme ich Dorscht, es wird also höchste Zeit aufzuhören.

Freuen wir uns gemeinsam auf die Domweine 2019, ein Deidesheimer Hofstück 2018 des Winzervereins Deidesheim und einen Spätburgunder Rotwein des Weingutes Gebrüder Anselmann aus Edesheim, denn es ist schließlich besser, Wein mit Verstand als Wasser mit Hochmut zu trinken.

Die neuen Domweine
Domweinpräsentation am 25.4.2019, Fotos: Landry

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