Samstag, 28. März 2026

Sandstein, ein komplexes Thema gut präsentiert.

Gebannt lauschten die Anwesenden dem Vortrag des Mineralogen Prof. Dr. Robert Sobott.

Prof. Dr. Robert Sobott verstand es, seine Zuhörer problemlos in ein komplexes Themengebiet rund um den Sandstein mitzunehmen. Der Speyerer Dom errichtet aus rotem und gelbem Sandstein der Region muss, um den Witterungsverhältnissen stand zu halten, ständig beobachtet und saniert werden.

Was ist Sandstein? Wie entsteht er? Welche Eigenschaften hat er und wie kann man das Material konservieren und bewahren. Diesen Punkten ist der Referent in seinem Vortrag nachgegangen.

Die Entstehung von Sandstein, ein Prozess von Jahrmillionen in denen Sandkörner und andere Mineralien grober oder feiner Struktur versenkt, verfestigt und letztendlich verkittet werden, um dann durch tektonische Verschiebungen als verfestigte Platten in Gebirgen wieder nach oben zu kommen. In Deutschland weit verbreitet ist der Buntsandstein. Am Dom verbaut ist der gelbliche Neustadt-Haardter Sandstein aus Quarz, Silikaten, Kalk und Ton wie auch der rötliche festere Heidelberger Sandstein aus Quarz, Feldspat und Eisenoxiden.

Sandstein ist ein Sedimentgestein aus unterschiedlichen Mineral- und Gesteinsbruchstücken. Durch Flüsse, Wind oder Eis haben sich die Sedimente in Seen, Wüsten oder Deltas angesammelt und bilden somit die Lagerstätten für den Sandstein. Sandstein ist nicht gleich Sandstein. Je nach Herkunft ist er von unterschiedlicher Farbigkeit und Textur. Wird der Sandstein in einem sogenannten Dünnschliff ganz dünn, durchscheinend geschliffen und die Oberfläche unter dem Rasterelektronenmikroskop, dem Polarisationsmikroskop und dem Röntgendiffraktometer analysiert, sieht man zwischen den einzelnen Sandkörnern, Quarzkörnern und anderen Mineralien Hohlräume, die sogenannten Poren. Unterschiedliche Sandsteine wie der Rote oder der Grüne Mainsandstein, der Bamberger Sandstein oder der Cottaer Sandstein haben jeweils einen unterschiedlichen Porenhalsdurchmesser.

Je nach Größe der Hohlräume zwischen den festen Bestandteilen ist der Sandstein anfälliger für Witterungseinflüsse wie Wind, Wasser, Salze und Hitze und der Verwitterungsprozess, die sogenannte Absandung ist höher. In diesem Zusammenhang spielt die Korngröße, Kornrundung, der Kornkontakt und die Kornbindung wie auch die weiteren im Sandstein enthaltenen Mineralien eine Rolle. Letztendlich hängt die Stabilität des Steins vom Porenvolumen und Feststoffvolumen ab.

Sehr Interessant war der Hinweis des Referenten, dass Sandstein nicht nur als Baumaterial oder zur Herstellung von Skulpturen verwendet wird, sondern auch ein Speichergestein für Erdgas und Erdöl ist. Das heißt, je poröser der Sandstein ist, desto mehr Gas und Öl wird darin vermutet.

Für Bau- und Bildwerke bedeuten große Poren jedoch, dass durch den Regen nicht nur Wasser, sondern auch Salze, Säuren wie Schwefeldioxid in den Sandstein eindringen und die chemische und physikalische Verwitterung in Gang setzen. Hinzukommt die Hitze. Bei Wärme dehnt sich der Sandstein aus. Bei dunklem Gestein kann die Temperatur von 15°C auf 85°C ansteigen, was eine stolze Temperaturdifferenz von 70°C bedeutet. Furiose Gewitterschauer sind dann der Worst Case, da der Stein in kürzester Zeit wieder abgekühlt wird. Finden solche Temperaturschwankungen häufig statt, bricht der Stein. Noch schlimmer sind Frostschäden. Das Wasser dringt in die Poren ein, bei Frost vergrößert sich das Volumen des Wassers und der Stein wird gesprengt. Diese Vorgänge bedeuten für die Konservierung des Sandsteins, das Wasser möglichst aus den Porenräumen fernzuhalten oder das Gestein bestmöglich zu festigen. Wasser im Porenraum ist der „Gesteinskiller“ No. 1.

Der Sandstein kann durch eine Barriere mit Epoxidharzen gefestigt werden. Das ist aber nicht so einfach wie es klingt, denn die Harze müssen tief genug in die Oberfläche eindringen, um eine Schutzschicht zu bilden. Schadstellen am Objekt können durch einen Natursteinersatzmörtel ausgebessert werden. Auch das ist nicht so einfach wie es klingt, denn dieser Mörtel muss nicht nur die gleiche Struktur und Farbe wie der Sandstein haben, sondern auch die gleichen thermischen Eigenschaften wie das Ausgangsmaterial, sonst provoziert der Mörtel weitere Schäden am Standstein. Wenn all dies berücksichtigt wurde, ist man schon froh, wenn ein Putz 30 Jahre hält!

Zum Schluss erfolgte noch ein Hinweis auf den Bildatlas wichtiger Denkmalsteine der Bundesrepublik Deutschland von Wolf-Dieter Grimm. „Der Grimm“ ist nach wie vor die Bibel für die deutsche Natursteinbranche und für alle, die sich weiter über Natursteine informieren wollen.

Die Präsentation war auch eine gelungene Einführung für den nächsten Vortrag im Rahmen der Wissenschaftlichen Foren von der Dombaumeisterin Frau Hedwig Drabik am 05. November 2026:

„Hinter den Steinen: Wie Planung und Handwerk den Dom zu Speyer bewahren.“