Tag der Mitglieder in Straßburg

Bei bestem Wetter fuhr der Dombauverein am 10.06.2017 zum Tag der Mitglieder mit zwei voll besetzten Bussen nach Straßburg. In diesem Jahr konnten wir passend zum Vortrag von Frau Dr. Bengel am 11. Mai in der Voba Speyer über ‚Das Straßburger Münster - der ottonische Vorgängerbau, die romanischen Ostteile und die Beziehungen zum Speyerer und Wormser Dom’ eine Exkursion nach Straßburg anbieten, um die Schnittpunkte zwischen dem Straßburger Münster, dem Speyerer und Wormser Dom vor Ort zu betrachten. 

Begonnen haben wir unsere Exkursion mit einem Rundgang um das Münster mit besonderem Augenmerk auf die gotische Hauptfassade mit dem berühmten, der Fassade vorgelagerten Harfenmaß­werk. Mit einer Sondergenehmigung konnten wir mit Zugang über das Priesterseminar auch die romanische Ostseite des Münsters mit starken Bezügen zur Ostseite des Wormser Doms bewundern. 

Dank der guten Verbindungen unserer Referentin und Münsterführerin, durften wir (obwohl das Münster aufgrund der zur Zeit in Frankreich bestehenden Terror­­warnstufe für Gruppenbesichtigungen geschlossen ist) den romanischen Chor mit den angrenzenden Kapellen und die Krypta auch von Innen besichtigen. Besonders in der Krypta wird durch die steinsichtigen, aus rotem und gelben Sandstein gebildeten Gurtbögen, den weiß verputzten Kreuzgradgewölben und den einfachen Würfelkapitellen die Nähe zum Speyerer Dom deutlich.  

Im Querhaus, dem Bindeglied zwischen romanischen Chor und gotischem Langhaus, ist das Nebeneinander von gotischen und romanischen Formen frappierend und zeigt den Übergang von der Spätromanik zur Frühgotik. Im Nordquerhaus konnten wir einen mehrfach gestuften romanischen Altar­baldachin betrachten, in den später ein gotisches Fenster eingefügt wurde. Dieser Altarbaldachin ist eine Weiterentwicklung der Altarbaldachine im Querhaus des Speyerer Domes. Während das Kreuzrippengewölbe im Nordquerhaus noch von einem massiven Rundpfeiler getragen wird, konnten wir im Südquerhaus einen Blick auf den berühmten Engelspfeiler werfen, eine einmalige Entwicklung in der romanischen Bauskulptur! Ein wiederum gestuftes romanisches Portal verschaffte uns Eintritt in die Chorgalerie zu dem 2015 zur 1000 Jahrfeier des Straßburger Münster erstellten Modells des Wernerbaues, des Vorgängerbauers des heutigen Münsters. Die Verwandtschaft zum Speyerer Dom ist offensichtlich.

Beeindruckend waren im nördlichen Seitenschiff auch die sogenannten Kaiserfenster aus dem 12./13. Jahrhundert mit Darstellungen der karolingischen, ottonischen, salischen und staufischen Herrscher.

Schwalbennestorgel und Astronomische Uhr wären eine eigene Exkursion wert.

Während der Mittagspause konnten wir uns in dem Gewölbekeller des Gurtlerhoft am Münsterplatz 13 bei einem elsässischen Menü erholen.

Am Nachmittag konnten wir auf der Südseite des Münsters im Musée de l’Œuvre Notre-Dame weitere Glasfenster wie den thronenden Kaiser vom Ende des 12. Jahrhunderts, der lange für eine Darstellung von Karl dem Großen gehalten wurde und die Originale bedeutender Münsterskulpturen wie beispielsweise der Ecclesia und Synagoga bewundern. Nach der christlichen Ikonographie des Mittelalters symbolisieren die beiden weiblichen Figuren das Christentum und das Judentum. Beachtenswert ist bei diesen beiden bedeutenden Skulpturen, die ursprünglich zum romanischen Doppelportal am Südquerhaus gehörten, die beginnende Körperlichkeit der Figuren, der feine, zarte Faltenwurf der Gewänder und die fein ausgearbeiteten Gesichter an diesen noch frühgotischen Skulpturen. Den Endpunkt in der Entwicklung der gotischen Skulptur konnten wir an den Figuren vom Laurentiusportal auf der Nordseite des Münsters sehen. Durch die tiefen, wuchtigen, virtuosen, die Gewänder durchziehenden Knitterfalten war die Körperlichkeit am Ende der Gotik wieder aufgehoben. Hinter diesem Faltenspektakel an den Gewändern kann der Körper bei den Skulpturen des Heiligen Laurentius und den Heiligen Drei Königen nur noch erahnt werden.   

Unbestrittener Höhepunkt im Frauenhausmuseum war die Besichtigung der Originalbaupläne des Straßburger Münster in dem ebenfalls zur 1000 Jahrfeier des Straßburger Münsters 2015 extra für diese Pläne erstellten Archivraum.  

Wir konnten die mit Tinte auf Pergament gezeichneten Originalpläne zur Westfassade des Münsters betrachten. Berühmt sind vor allen Dingen der Riss A und der Riss B. Baupläne sind üblicherweise in diesem frühen Zeitraum weder datiert noch signiert. Diese beiden Risse werden aufgrund stilistischer Kriterien in die Zeit von 1220/25 datiert. Der auf Riss B dargestellte Fassadenentwurf wurde zwischen 1260 – 1270 auf Höhe des Erdgeschosses relativ getreu um­gesetzt. Der obere Teil der Zeichnung zeigt einen nicht ausgeführten Turmhelm.

Aus konservatorischen Gründen ist genau festgelegt, wie lange die Zeichnungen dem Licht ausgesetzt sein dürfen, um dann wieder in den klimatisierten Schränken aufbewahrt zu werden.  

Im nächsten Raum rundete eine sehr anschauliche Dokumentation dieser einzigartigen Sammlung mittelalterlicher Baurisse die Präsentation der Bauzeichnungen ab.

 

Der Kaiserdom zu Speyer - UNESCO Weltkulturerbe

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