Vortrag Münsterbaumeisterin Ingrid Rommel 3. Juni 2008 |
Im Rahmen der Dombauvereins-Vortragsreihe „Wissenschaftliches Forum Kaiserdom zu Speyer“ referierte am 3. Juni 2008 die Ulmer Münsterbaumeisterin Ingrid Rommel.
Frau Rommel ging zunächst auf die Baumaßnahmen im 19. Jahrhundert ein. Zur Vollendung des Münsters (u. a. zwei Chortürme und den mit 161,50 Meter höchsten Kirchturm der Welt) habe 1844 Ferdinand Thrän die Münsterbauhütte neu gegründet - 300 Jahre zuvor war sie nach Einstellung der Arbeiten (1543) aufgelöst worden. Der verwendete Sand- und Kalkstein sei aber nicht immer von guter Qualität gewesen – teilweise kam der Stein, z.B. relativ weicher Savonnieres-Kalkstein, aus Frankreich als Reparationsleistungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die natürliche Verwitterung der verbauten Natursteine wurde zudem noch durch das feuchte neblige Klima an der Donau verstärkt, das über die Wintermonate vorherrsche. Eine weitere Ursache für Bauschäden sei die im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung. Die Abgase aus Industrie, Verkehr und Gebäudeheizungen verwandeln Niederschläge in sauren Regen, der seit Jahrzehnten auch den Stein am Ulmer Münster zerstöre. Letztlich komme es zu Schalenbildung an den Steinoberflächen, bis hin zum Verlust der notwendigen Druckfestigkeit des Steins.
Wie im Mittelalter die Kathedralbauhütten in Frankreich, so sei heute die Ulmer Münsterbauhütte ein großes Innovationszentrum an der viele Mitarbeiter ihren Anteil hätten, erklärte die Münsterbaumeisterin durchaus mit Stolz. Konsequent werden immer Voruntersuchungen, Bestandaufnahmen, Kartierungen usw. durch ausgewiesene Fachkräfte durchgeführt. Die Kartierung beispielsweise liefert ein vollständiges Gesamtbild über die am südlichen Chorturm eingesetzten Materialen und ihres heutigen Zustandes. Anhand der kartierten Schadensbilder lasse sich zudem festlegen, welche Restaurierungsmaßnahmen in welchem Umfang notwendig seien. Auch werden Forschungen an Mörtel vorgenommen, u. a. um optimale Druckfestigkeit zu erreichen. Historische Mörtel werden analysiert und gegebenenfalls nachgemischt. Eng arbeite man mit der Stuttgarter Materialprüfanstalt zusammen. Zahlreiche eindrucksvolle Dias, aufgenommen in Schwindel erregenden Höhen, zeigten den arbeitsintensiven und schwierigen Steinaustausch. Der Wettlauf gegen Verwitterung und Zerfall, so die Referentin, könne nur mit solchen umfangreichen Restaurierungen gewonnen werden.
Der Dombauverein Speyer e.V. dankt der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer - namentlich Herrn Uwe Wöhlert und Herrn Albert Schlarp - für die gute Zusammenarbeit, das Sponsoring, für die Möglichkeit im Augustinersaal der Sparkasse die Vortragsreihe durchzuführen und nicht zuletzt für die freundliche Bewirtung.
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