Restaurierungsarbeiten - Stand: Januar 2006 |
Im Jahre 2005 wurden die Arbeiten an der Nordfassade des Westbaues und im nördlichen Dachspeicherraum abgeschlossen.
Am 1854-1858 erbauten Westbau mussten insbesondere die Stützensysteme der Zwerggalerie (Basis, Säule und Kapitell) stabilisiert werden. Dazu war es erforderlich, zahlreiche Säulen komplett auszubauen, was aufgrund der gewaltigen Lasten, die sie tragen, größere Abstützungsvorrichtungen erforderlich machten. Teilweise abgesprengte - fast lose - Teile wurden geklebt und vernadelt, Risse fachgerecht geschlossen und alte, schon angerostete Eisenverbindungen wurden durch Edelstahl ersetzt. Auch das gesamte Fugennetz der Westfassade wurde ausgebessert.
Diese Arbeitsschritte waren identisch mit der Maßnahme “Sicherung der Westfassade”, welche im Jahr 2004 durchgeführt wurde. Wir hatten angenommen, dass die Arbeiten auf der Nordseite zügig durchgeführt werden könnten und beabsichtigten, das Gerüst danach noch im Jahr 2005 auf der Südseite des Westbaues aufzubauen. Leider mussten wir aber feststellen, dass die Schäden auf der Nordseite erheblich größer waren, als vom Boden aus erkannt werden konnte. Außer den Sicherungsmaßnahmen an den Stützensystemen der Zwerggalerie mussten umfassende konservierende Maßnahmen an der Sandsteinfassade durchgeführt werden. Des Weiteren mussten die Gewölbeflächen der Zwerggalerie neu verputzt werden. Alle 18 Holzfenster am Laufgang der Galerie am Westbau, die wahrscheinlich aus der Bauzeit (1854-1858) stammen, wurden denkmalgerecht repariert und überarbeitet.
Aufgrund von umfangreichen statisch-konstruktiven Untersuchungen mussten an der Dachkonstruktion und den dazugehörigen Auflagerpunkten im nördlichen Westbau aufwändige Sanierungsmaßnahmen ausgeführt werden. Laut Gutachten ist davon auszugehen, dass aus dem Dach Horizontalkräfte auf die Mauerkronen wirken, die zu nicht unerheblichen Schäden - Risse im Mauerwerk - geführt haben. Deshalb mussten u. a. folgende Maßnahmen erfolgen: Die Sanierung der Fußpunkte der beiden Hauptsprengwerke am Nordgiebel, die Sanierung der Auflagerpunkte in Querrichtung hinsichtlich ihrer Vertikal- und Horizontalkraftweiterleitung, das Befestigen der Fußpfetten zugfest an das Bestandsmauerwerk sowie der Einbau eines Zug-Druck-Gurtes vor dem Nordgiebel. Die alte Löschwasser-Trockensteigleitung aus den 1960er Jahren wurde abgebaut und durch eine Rohrleitung aus nicht rostendem Stahl ersetzt. In den verschiedenen Höhenebenen wurden Anschlussstutzen zum Ankuppeln der Schlauchleitungen installiert. Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Leitungsnetz von der Feuerwehr “unter Druck” geprüft. Auch an dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei der Feuerwehr Speyer, insbesondere bei dem ehemaligen Stadtfeuerwehrinspekteur und jetzigem Wachdienstführer Herrn Peter Kaiser bedanken. Bereits über 10 Jahre hat er sich mit außergewöhnlichem Engagement für den Brandschutz am Dom eingesetzt. In zahlreichen Beratungsgesprächen, Begehungen, Übungen mit der Wehr an Samstagnachmittagen und spät abends wurde immer wieder deutlich, dass er ein echter Freund des Domes ist.
Weitergeführt wurde im vergangenen Jahr auch die Maßnahme “Sicherung und Konservierung der romanischen Bauzier”. Nachdem im Jahr 2004 die Arbeiten am südlichen Querhaus abgeschlossen werden konnten, wurde im Jahr 2005 mit den Arbeiten am Chor und der Apsis des Domes begonnen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch die Ostseite der gotischen Sakristei mit eingerüstet. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass im Frühjahr dieses Jahres die Brandmeldekabel für die Sakristei im Außenbereich verlegt werden können und somit im Innenbereich der Sakristei keine Störungen erfolgen.
Das Projekt “Applizieren der Schraudolphschen Bilder” (Übertragen auf einen neuen Bildträger) wurde im Jahr 2005 mit den Arbeiten an dem Bild “Hl. Stephanus vor dem Hohen Rat” weitergeführt.
Dank einer großzügigen Spende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung in Essen, wofür wir uns auch an dieser Stelle ganz herzlich bedanken, konnten folgende Paramente (Textilien, die im liturgischen Zusammenhang verwendet werden) textilrestauratorisch behandelt werden: ein Pluviale (Rauchmantel), Anfang des 18. Jahrhunderts und eine Kasel (Messgewand) um 1735. Folgende Skulpturen (Holz) konnten ebenfalls mit den vorgenannten Spendenmitteln gesichert und konserviert werden: Mondsichelmadonna aus St. Martin um 1490, Heiliger Stephanus um 1470 und ein Heiliger Johannes um 1520.
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1,4 Mio. Euro in die Erhaltung des Domes investiert. Dies war auch durch die engagierte Hilfe der Mitglieder des Dombauvereins möglich. Mein Dank geht auch an alle, die im vergangenen Jahr an den Bau- und Restaurierungsmaßnahmen beteiligt waren.
Alfred Klimt Dombaumeister
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