http://www.dombauverein-speyer.de/
Zurück zur Startseite  Kaiserdom zu Speyer
[Start]
[Inhalt]
[Suche]


Drucken

 

Der Dom zu Lund

Lund -Dom AnsichtWebsite

Der romanische Dom zu Lund in Südschweden


Die enge Verbindung der seit dem 19. Jahrhundert als „Kaiserdome“ bezeichneten Bischofskirchen in Speyer, Mainz und Worms ist hinlänglich bekannt und von der Forschung schon oft dargestellt worden. In diesem Kontext erwähnenswert die neu angefertigten Modelle der drei Dome, die 2010 in der Salier-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer zu sehen waren (jetzt Domschatzkammer).

Weit weniger bekannt ist die enge Beziehung der drei rheinischen Dome, besonders unseres Speyerer Domes, mit dem Dom in Lund. Die im 10. Jahrhundert gegründete Stadt, nahe Malmö gelegen, entwickelte sich schnell und erhielt Anfang des 11. Jahrhunderts das Stadtrecht. 1060 wurde sie Bischofssitz - damals bzw. bis 1678 gehörte Lund zu Dänemark. Lund war eines der neun dänischen Bistümer und wurde 1103 zum Sitz eines Erzbischofs erhoben. Die Stadt gewann ständig an Rang und galt bis ins 15. Jahrhundert als größte und wichtigste Stadt Skandinaviens, war die kirchliche Metropole nordischer Länder. Und der Dom zu Lund gilt als das „bedeutendste Zeugnis romanischer Baukunst in ganz Skandinavien“.

Baubeginn des (neuen) Domes war 1103/04. Bauherren waren König Niels und der erste Erzbischof Asner. Der Dom gehört zu den frühesten Steinbauten einer Region, in der keine einheimische Steinmetz- oder Bildhauertradition zu erwarten ist.

Man baute eine dreischiffige Gewölbebasilika im gebundenen System („erfunden“ in Speyer II) mit Stützenwechsel, ausladendem Querhaus, Krypta, Chorarm und halbrunder Apsis. Der Hauptalter in der Hallen-Krypta, die sich übrigens wie in Speyer unter Chor und Querhaus ausdehnt und auch in jedem Raumabschnitt dreischiffig konzipiert ist, wurde 1123 geweiht, Weihen der Seitenaltäre sind 1126 und 1131 überliefert. Eine Schlussweihe des Domes ist 1145 genannt. Die Krypta, wohl von Beginn an als Taufkirche genutzt, weist bemerkenswerte, ja bizarre Säulenornamentik auf. Wir treffen auf die typischen Würfelkapitelle wie in Speyer, ebenfalls auf zwei verschiedene Farbabstufungen. In diesem Kontext erwähnenswert: die Speyerer Domkrypta bildete nicht nur das Vorbild für Otranto, Modena und beispielsweise Bari, sondern auch für Lund.

Lund -Dom Grundriss Website In den Quellen (Eintragung in einem Totenbuch) taucht ein vermutlich aus Oberitalien stammender Baumeister Donatus auf: „Donatus magister operis huius ecclesie“. Es wird vermutet, er habe auch am Oberrhein gearbeitet. Donatus ist es gelungen, den Bau mit seiner den rheinischen Kathedralen verwandten Architektur mit der von oberitalienischer bzw. lombardischer Ornamentik stark durchsetzten plastischen Ausgestaltung zu verschmelzen. Die Bauzier weist eine maßvolle antikisierende Haltung auf, die ihrem Charakter nach auf Bauplastik in Como, Pavia und Mailand verweist – und auf Speyer II. Man entdeckt im Langhaus antikisierende Profile (u.a. Eierstab), Akanthus-, Tier und Kompositkapitelle, viele sind ausgezeichnete Werke romanischer Bildhauerkunst. Erwähnenswert auch die reich geschmückten Seiten-Portale mit skulptierten Tympana. Sie zeigen in Aufbau und Detail große Ähnlichkeiten mit der Ornamentik am Speyerer Süd-Querhaus sowie am Mainzer Liebfrauenportal oberitalienischen Bauten (Como) und. Zahlreiche bauplastische Arbeiten in Lund setzen Kenntnis bestimmter Formen u.a. der Speyerer Afrakapelle voraus. Auch die Ädikula-artigen Vorbauten in den Speyerer Querhäusern finden ihre Parallelen in Lund. Die halbrunde Speyerer Apsis, unter Heinrich IV. ab etwa 1080 neu erbaut, mit ihrer Blendbogengliederung und der umlaufenden Zwerggalerie, wurde nicht nur am Mainzer Dom rezipiert, sondern spiegelt sich deutlich auch in der Lunder Apsis wider. Die neuere Forschung vermutet, dies sei noch kurz vermerkt, Bischof Eskil habe um 1140 Zisterzienser aus Burgund nach Lund geholt. Am Querhaus (Ostseite) seien Bauformen dieser Provenienz zu erkennen.

Handwerker, Steinmetze, Bildhauer usw. legten im Mittelalter weite Wege zurück: die Entfernung von Speyer nach Lund beträgt ca. 1000 Km, von Speyer nach Como sind es knapp 550 Km. Der im 13. Jahrhundert tätige sog. Naumburger Meister legte zwischen Noyon (Nordfrankreich) und Naumburg nicht ganz 900 Km zurück. Es ist nach dem bauhistorischen Kontext gut nachvollziehbar, dass Steinmetze von Speyer in den hohen Norden nach Lund abwanderten, wo ab 1103/04 mit dem Domneubau ein großer Bedarf an Handwerkern erforderlich war, genau zu dem Zeitpunkt, wo allmählich in Speyer und Mainz die Arbeiten zu Ende gingen (Tod Heinrich IV. 1106).

Abschließend sei angemerkt: die Anregung, sich mit dem Dom zu Lund näher zu beschäftigen, möglicherweise eine Studienreise dorthin zu organisieren, ging von Familie Hahn, Mitglied im Dombauverein, aus.

Walter Appel

| Aktuelles | Der Dombauverein | Dombausteine | Domkurier | Kaiserdom zu Speyer | Termine im Jahr 2012 |
powered by suchticker.de - der Seo Suchmaschine

Deutsch | Englisch | Französisch | Spanisch | Italienisch | Niederländisch © 2007 by Dombauverein Speyer e.V. - Impressum
[Email] Immobilien in Speyer Designed and hosted by Speyer Net AG
zum Seitenanfang zum Seitenanfang