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2. Vortrag 2010 in der Reihe Wissenschaftliches Forum Kaiserdom

Dr. Gerold Bönnen, Historiker, Stadtarchiv Worms
„1061 und 1111 - Domweihe und städtisches Freiheitsprivileg als Marksteine der Speyerer Geschichte".


Im Hinblick auf das Salierjahr 2011 lautete der Vortrag „1061 und 1111 - Domweihe und städtisches Freiheitsprivileg als Marksteine der Speyerer Geschichte", den der Historiker und Leiter des Wormser Stadtarchivs Dr. Gerold Bönnen am 28. Oktober hielt. Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Wissenschaftliches Forum Kaiserdom“ statt. Der Referent sowie die Verantwortlichen beim Dombauverein konnten sich wie gewohnt über eine sehr gut besuchte Veranstaltung freuen. Dr. Appel wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass der Dombauverein in dieser 1998 mit einem Vortrag von Frau Dr. Hochkirchen über „Mittelalterliche Steinbearbeitung am Dom zu Speyer“ eröffneten Reihe „eine Art Bildungsauftrag“ sehe, eine Aufgabe, neue Erkenntnisse zum Dom gleichsam einer breiten interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln, um damit satzungsgemäß „für die Erhaltung des Domes“ zu werben. Denn „fundiertes Wissen über unseren Dom“, so Dr. Appel, mehrt die Bereitschaft, „etwas Gutes für ihn zu tun, sich für seinen Erhalt zu engagieren“.

Hist-Domansicht Dr. Bönnen betonte zunächst die fundamentale baugeschichtliche Bedeutung des Speyerer Domes.
Domentwicklung und Stadtentwicklung, so der Referent, gehören unmittelbar zusammen. Schwerpunkt der Ausführungen bildete die Verleihung der Privilegien, die Kaiser Heinrich V. anlässlich der Beisetzung seines vom Bann gelösten Vaters Heinrich IV. am 14. August 1111 den Einwohnern von Speyer bewilligt hatte. Der Referent wies ausdrücklich auf die grundlegende Bedeutung dieser Privilegien hin, das zu den herausragenden Marksteinen der Stadtentwicklung weit über die Region hinaus zählen. Mit der Erteilung beispielloser Rechte und der Etablierung 'bürgerlicher' Verbandsbildung im religiösen Kontext, der Förderung von Rechtssicherheit und Zuwanderung, der Einbeziehung der entstehenden Stadtgemeinde als Gebetsgemeinschaft in engster Verbindung zu den für Speyer so wichtigen Saliern in einer Zeit grundlegender gesellschaftlicher Wandlungen, der symbolträchtigen Anbringung des Textes zusammen mit seinem Bild in goldenen Buchstaben über dem Domportal, d.h. am Dom, dem zugleich religiösen Mittelpunkt, Grablege wie auch städtischen Rechtsort. Auf diese Weise wurde durch den letzten salischen Herrscher ein besonders innovatives Modell der Förderung urbanen Lebens mit nachhaltigen Wirkungen auf die Speyerer Geschichte etabliert. 1182 wurde dieser Rechtsakt schriftlich bestätigt; das wertvolle Dokument ist das älteste Schriftgut im städtischen Archiv. Bei der Stadtgründung von Annweiler, 1219 durch Kaiser Friedrich II, so Dr. Bönnen, habe man eindeutig Bezug auf Speyer genommen. Der Heidelberger Historiker Prof. Dr. Stefan Weinfurter bezeichnete dieses singuläre Freiheitsprivileg als 'Magna Charta der Speyerer Bürgerschaft' - nach dem Vorbild des berühmten englischen Freibriefs von 1215.

Dom zu Speyer, Westfassade. Kupferstich (1609)
von Johann J. Ebelmann

Der Vorstand des Dombauvereins bedankt sich herzlich bei der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer, dem Sponsor dieser Veranstaltung.

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