2. Vortrag 2009 in der Reihe Wissenschaftliches Forum Kaiserdom |
Landeskonservator Dr. Joachim Glatz, Mainz
Am 28. Oktober 2009 referierte im sehr gut besuchten Vortragssaal der Volksbank Kur- und Rheinpfalz der Landeskonservator von Rheinland-Pfalz, Dr. Joachim Glatz.
Joachim Glatz, promovierter Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, Mitglied im Dombauverein, hielt einen interessanten und reich bebilderten Vortrag über „Die romanische Bauskulptur der Kaiserdome – Bedeutung und Konservierung“.
Eingangs erläuterte Dr. Glatz den Titel „Kaiserdom“, den wohl der damalige Speyerer Domkapitular Johann Geissel 1828 im Rahmen eines dreibändigen Buches erstmals für den Speyerer Dom verwendete (Zur Person: Johann Geissel bzw. Johannes von Geissel: *1796, 1837 Bischof von Speyer, später Kardinal Erzbischof von Köln, legte 1842 den Grundstein für den Weiterbau des Kölner Domes, † 1864).
Die Bauplastik am Mainzer Dom skizzierte Dr. Glatz anhand zahlreicher figürlicher Darstellungen am Marktportal (um 1200), Leichhofportal oder Paradiespforte (nach 1200) und insbesondere am Liebfrauenportal an der Dom-Ostseite (um 1135), das enge stilistische Verbindungen zur Speyerer Bauplastik aufweist. Die Schmuckformen stehen unter dem Einfluss lombardischer Steinmetze (Como), die über Speyer nach Mainz kamen.
|
Speyer Dom, Afrakapelle, sog. "Affenkapitell", um 1100
|
| Bemerkenswerte Bauplastik zeichnet auch den Wormser Dom aus. Dr. Glatz zeigte u. a. eine Darstellung von Daniel in der Löwengrube mit dem Propheten Habakuk vom Südportal (um 1160), die später in der Annenkapelle eingebaut wurde. Am Westchor beeindruckten phantasievolle Gebilde an den Säulenbasen wie Köpfe, Menschen, Tiere, Fabelwesen, Geistliche; scheinbar ohne festes Programm, möglicherweise haben sie apotropäische (Unheil abwehrende) Funktionen. Am Wormser Ostchor (Zwerggalerie) ist die wohl singuläre Figurengruppe des „Baumeisters mit dem Affen“ hervorzuheben. Der Affe, so Dr. Glatz, galt im Mittelalter als Symbol des Bösen, des Hochmuts, der Eitelkeit, als ein Symbol des Teufels. Der Referent zitierte aus der Streitschrift des hl. Bernhard von Clairvaux (um 1124) gegen den Bauluxus, wo es u. a. heißt: “( …) was machen dort im Kreuzgang jene lächerlichen Monstrositäten? Was sollen dort unreine Affen? Was wilde Tiger? Was monströse Zentauren? Was Halbmenschen ? (…)“
|
Breiten Raum nahm die Bauzier am Speyerer Dom ein. Dr. Glatz betonte die außerordentliche Qualität vieler Steinmetzarbeiten. Besonders reich ausgebildete Motive sind bekanntlich am Südquerhaus anzutreffen. Die Hasen an den Fenstergewänden etwa werden als Fruchtbarkeitssymbole gedeutet. Darstellungen von Affen, so Dr. Glatz, befinden sich beispielsweise in der Westwand der Afrakapelle, hier sitzen die bekannten „Affenkapitelle“. Auffallend auch das figurenreiche Halbrelief an der Apsis (Abguss im Historischen Museum der Pfalz, Domschatzkammer). Diese Bauplastik, entstanden um 1085, wurde in frühen Erklärungsversuchen als Gründung des Domes interpretiert. Heute wird die erstmals von Domkapitular Adam 1892 formulierte Deutung, das Relief stelle nach Jesaja XI, 6-9, eine Schilderung des himmlischen Friedens dar, weitgehend akzeptiert.
|
Romanische Bauzier am Dom zu Speyer , Südquerhaus, um 1100
|
Auch auf Schäden am Mauerwerk ging Dr. Glatz ein. Er zeigte Mauerwerk, an denen Steinaustausch unumgänglich war, auch wenn dadurch ein „Originalstück“ des Domes verloren gehe bzw. ersetzt werden müsse. Eindringlich sein Appell: „Jede Generation muss den Dom restaurieren“. Dem großartigen Vortrag schloss sich eine rege Gesprächsrunde an.
Der Vorstand des Dombauvereins bedankt sich herzlich bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, dem Sponsor der Veranstaltung. Dank gilt dem Vorstand, Herrn Walter von der EDV-Abteilung sowie Herrn Kabs für die freundlichen Grußworte. Auch die Bewirtung verdient Anerkennung.
|
|