1. Vortrag 2010 in der Reihe Wissenschaftliches Forum Kaiserdom |
| Referent: Prof. Dr. Matthias Untermann, Heidelberg - „Speyer und Cluny“
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| Der Vortrag des Heidelberger Kunsthistorikers über „Speyer und Cluny“ fand vor einer „Rekordkulisse“ statt: kein Vortrag des Dombauvereins war bisher so gut besucht. Die Bistumsleitung war mit Weihbischof und Dompropst Otto Georgens, den Domkapitularen Dr. Christoph Kohl, Peter Schappert und Franz Vogelgesang vertreten. Auch Bischof em. Dr. Anton Schlembach sowie die beiden Domkapitulare im Ruhestand Hubert Sedlmair und Hubert Schuler waren gekommen. Das Historische Museum der Pfalz, derzeit in Vorbereitung der Salier-Ausstellung 2011, war gleich mit vier Mitarbeiterinnen präsent.
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| Prof. Untermann referierte zunächst über die Geschichte der vor 1100 Jahren gegründeten Abtei Cluny, einst das wichtigste Kloster der Christenheit, direkt dem Papst und keinem Diözesanbischof unterstellt. Die Baugeschichte der bedeutenden dritten, unter Abt Hugo von Semur 1088 begonnenen Klosterkirche, ein Sakralbau riesiger Dimensionen, bildete einen Schwerpunkt. Das fünfschiffig konzipierte Langhaus mit 14 Jochen und extrem steilen Proportionen weist eine Gewölbehöhe von 30 Metern auf. Ferner bereichern zwei Querhäuser, ein Umgangschor mit Kapellenkranz die Kirche mit der Gesamtlänge von 187 Meter. Anhand zahlreicher farbiger Rekonstruktionen und historischer Ansichten erstand die um 1800 im Zuge der Französischen Revolution weitgehend abgetragene Kirche neu vor dem Auge des Zuhörers. Einige Zeichnungen existieren aus der Barockzeit, damals so Prof. Untermann, galt die Kirche als „Weltwunder“. Äußerst bemerkenswert das erstmalige Zitieren bzw. „Kopieren“ antiker Kapitelle in der Zeit um 1100. Ein baugeschichtliches Element, darauf wies der Referent hin, das auch am Dom Speyer II (Umbau ab ca. 1080 unter Heinrich IV.) an den voluminösen Langhauskapitellen im Obergaden zu beobachten ist. Auch die für die spätere gotische Architektur typischen „Spitzbögen“ sind in Cluny III anzutreffen. Ausführlich ging Prof. Untermann auf die glücklicherweise erhaltenen figürlichen Chorkapitelle ein. Um 1800 als „Kunstwerke“ angesehen, entgingen sie der Zerstörung. Diese faszinierenden Kapitelle mit Themen wie die vier Paradiesflüsse, die Jahreszeiten, vier göttliche Tugenden, acht Töne der Musik bzw. Kirchentonarten waren Vorbilder für die burgundische Plastik der Romanik. Untermann vermutet die Herkunft der Bildhauer aus Spanien oder Nordafrika, jedenfalls aus dem arabische beeinflussten Kulturraum; ein Thema das bisher noch wenig erforscht ist.
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Klosterkirche von Cluny. Nordseite und Grundriss. Darstellung aus dem 18. Jahrhundert.
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| Der zweite Teil des Vortrags war dem Speyerer Dom gewidmet. Gänzlich neue Bauideen, unbeeinflusst von der Antike, so Untermann, zeigen die Würfelkapitelle (um 1040) in der Speyerer Krypta. Die zweite unter Heinrich IV. erbaute Apsis mit ihrer Gliederung (runde Wandvorlagen, Blendarkaden) und der oft nachgebauten Zwerggalerie bezeichnet Untermann als „Sensation“. Vortrefflich die wohl von Handwerkern aus Oberitalien geschaffene Bauornamentik an beiden Querhäusern. Als mögliche Grabkapellen für Heinrich IV. und seine Familie deutet Untermann die (insgesamt sechs) gewölbten Kapellen an den Stirnseiten der Querhäuser (jeweils zwei) und am Ansatz der Apsis unmittelbar an die beiden Osttürme anstoßend. Vermutet die kunsthistorische Forschung im Mittelschiff von Speyer I als Raumabschluss eine hölzerne Balkendecke oder dem Vorbild frühchristlicher bzw. römischer Kirchen folgend einen offenen Dachstuhl (zuletzt 2006 Dethard von Winterfeld), stellt Untermann die These auf, Speyer I sei mit einer hölzernen Tonne ausgestattet gewesen, ein Typus der um 1120 im Rheinland vorkomme, wie zum Beispiel in der ehem. Prämonstratenserkirche in Wenau bei Düren. Resumée: ein großartiger Vortrag mit vielen neuen Erkenntnissen.
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| Der Dombauverein Speyer e.V. dankt herzlich der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer für ausgesprochen gute Zusammenarbeit und das Sponsoring.
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