Bau- bzw. Restaurierungsmaßnahmen an der Speyerer Kathedrale im Jahr 2011 |
Bericht des Dombaumeisters Alfred Klimt über die Bau- bzw. Restaurierungsmaßnahmen an der Speyerer Kathedrale im Jahr 2011
Liebe Freunde des Domes,
das vergangene Jahr 2011 - das Salierjahr - war für alle am Dom Tätigen ein ganz außergewöhnliches Jahr mit zahlreichen Feierlichkeiten und Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des Domes. Für die Bauleute stellten sich in diesem Jahr noch besondere zusätzliche Anforderungen. Außer der Fortführung der Bauarbeiten im Rahmen der Dominstandsetzung und des "Investitionsprogramms nationale UNESCO Welterbestätten" mussten die Bauarbeiten für den Einbau der Hauptorgel rechtzeitig abgeschlossen werden. Absolute Priorität vor allen Arbeiten hatte jedoch die Intonation der Hauptorgel. Bedingt durch die niedrigen Temperaturen im Dom konnten die Intonationsarbeiten (ab 15°C möglich) an der Hauptorgel erst wieder Ende April des vergangenen Jahres aufgenommen werden.
In dieser Intonationsphase wurde von den Orgelbauern „absolute Bauruhe“ gefordert, d.h. es durften keinerlei lärmerzeugende Bauarbeiten auf der Orgelempore und im angrenzenden Kaisersaal sowie im südlichen Westturm bis zur Orgelweihe vorgenommen werden. Lediglich im Juni/Juli gab es eine fünfwöchige Intonationspause, in der die Arbeiten an der Orgeltechnik und die Bauarbeiten weitergeführt wurden.
Aufgrund des äußerst knapp bemessenen Zeitrahmens wurde von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Flexibilität verlangt. Während dessen hatte der gesamte liturgische Ablauf im Dom weiterhin ohne Störungen zu erfolgen. Außerdem mussten die großen Besucherströme, bedingt durch das Salierjahr, je nach Erfordernis entsprechend umgeleitet werden.
Trotz der vorgenannten Unwägbarkeiten konnte am 18. September 2011 die neue Hauptorgel im Rahmen einer festlichen Pontifikalvesper von unserem H. Herrn Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann geweiht werden. Am Abend des Weihetages stellte Domorganist Markus Eichenlaub in einem ersten Konzert die klanglichen Facetten des neuen Instrumentes vor.
Die neue Hauptorgel ist 12 Meter hoch, nahezu 10 Meter breit und fast 6 Meter tief. Sie hat 85 Register (Klangfarben) und enthält insgesamt 5.496 Pfeifen aus Zinn-Blei-Legierungen und Holz. Im Erläuterungsbericht zum Entwurf des Orgelprospektes vom Architekturbüro Prof. Gottfried und Prof. Stefan Böhm aus Köln ist u. a. Folgendes vermerkt:
"Die Orgel für den Speyerer Dom sehen wir als reinen, in der Gestaltung der Funktion folgenden, sinnvollen Klangkörper ohne künstliche Formgebung und Verzierung im Detail. Sie sollte unter Vermeidung jeglicher Dekoration ohne formale Anleihen aus der Architektur des Doms auskommen, als ein eigenständiges Element im Raum, das seinen eigenen gestalterischen Ausdruck hat. .... Die Erscheinung der Orgel wird damit lediglich durch den Prospekt mit seinen Reihen von Metallpfeifen bestimmt, sie steht wie eine Skulptur frei und mit gebührendem Abstand in dem großen Bogen. Die Ordnung der vom Kirchenraum aus sichtbaren Pfeifen fällt entsprechend der natürlichen Tonfolge immer jeweils von links oben nach rechts unten. Mehrere solcher Pfeifenreihen bilden, zu einer Gruppe zusammengestellt, den Orgelprospekt"
Der Bau der Hauptorgel (und auch der Chororgel) wurde durch eine großzügige Spende der Unternehmerfamilie Quandt erst ermöglicht.
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Des Weiteren konnte im vergangenen Jahr das bedeutendste Projekt am Außenbau, die „Sicherung und Konservierung der romanischen Bauzier“, bis auf einige kleinere Bereiche abgeschlossen werden. An der Nordwand des Altarhauses inkl. den beiden Galerien wurden umfangreiche steinrestauratorische Arbeiten an der Mauerwerksschale und konservierende Maßnahmen an der romanischen Bauzier durchgeführt (grundsätzliche Beschreibung der Maßnahmen an der romanischen Bauzier siehe Dom-Kurier 1/2004, 1/2005 und 1/2008). Ebenso wurde der gesamte Apsissockel steinrestauratorisch bearbeitet, sodass vor Weihnachten noch der Bauzaun bis auf Höhe der Sakristei im Süden zurückgebaut werden konnte. Die Fensteröffnungen der Krypta sind mit massiven Eisengittern geschützt. Die Gitterstäbe wurden restauriert und erhielten Bleihülsen als Dehnungsfutter. Dies ermöglicht eine Entkoppelung der thermischen Dehnung der unterschiedlichen Materialien (Eisen/Stein). Dies wiederum verhindert Steinschäden durch Zug und Druck. Um den Schutz gegen Beschädigung und Verschmutzung zu optimieren, wurden von hinten kleinmaschige Drahtgitter angebracht. Zum Schutz vor Schmierereien wurde der Apsissockel mit einem Graffitischutz versehen.
Um die Stromversorgung im Westbau auch bei Spitzenlasten sicherzustellen (insbesondere auch wegen dem Ausbau des Kaisersaales und dem Einbau einer Aussichtsplattform auf dem südlichen Westturm), musste von der Untersakristei aus um die Apsis und vor der Dom-Nordseite ein neues Niederspannungskabel bis in den Technikraum im Nordwestturm verlegt werden. Für die Erdverlegung wurden schon vorhandene Trassen genutzt, deshalb war nicht mit neuen Bodenfunden zu rechnen. Dennoch wurden die Erdarbeiten mit der entsprechenden Sorgfalt ausgeführt und von der Außenstelle Speyer der Landesarchäologie vor Ort betreut.
Die Bauarbeiten im Kaisersaal des Domes wurden mit der Stabilisierung des Fußbodens weitergeführt und die Raumschale im südlichen Joch neu gefasst. Die Rohbauarbeiten im südlichen Westturm sind bis auf die Höhe der Zwerggalerie bereits ausgeführt. Eine detaillierte Beschreibung der gesamten Baumaßnahmen im Kaisersaal und im südlichen Westturm wird im Dom-Kurier entsprechend veröffentlicht.
Ein ganz herzliches Dankeschön an alle bei den verschiedenen Projekten Beteiligten in den Planungsbüros, den Instituten und Ämtern, sowie den Restauratoren und den Bauhandwerkern. Ohne das gezeigte Engagement und die große Flexibilität, wären die vielen parallel laufenden Arbeiten im Salierjahr nicht möglich gewesen.
Mein ganz besonderer Dank gilt jedoch Ihnen, liebe Mitglieder des Dombauvereins, und Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender, für Ihre großzügige Unterstützung, die Sie zum Teil schon seit der Gründung des Dombauvereins dem Gotteshaus und Weltkulturdenkmal gewähren.
Alfred Klimt, Dombaumeister
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